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Sich selbst umarmen

Es ist eine Binsenweisheit, dass nur lieben kann, wer sich selber liebt.

Nur ist das einfacher gesagt als getan.

So oft und lange haben wir gelernt, uns selbst mit einem strengem Blick zu begegnen.

Darauf bedacht, unsere Schwächen zu erkennen und immer wieder Maßnahmen zu ergreifen, ja ganze Programme zu entwickeln, diese auszumerzen. Für einen mitfühlenden, liebenden Blick auf uns selbst bleibt da oftmals nicht viel Raum.

So ist unser Verhältnis zu uns selbst durch Strenge und manchmal regelrechte Gnadenlosigkeit geprägt. 

Ein inneres "stell Dich nicht so an", "jammer nicht", "Augen zu und durch" ist uns wesentlich vertrauter als ein liebevolles "du hast es grad schwer, ich wünsch mir selbst dass es  bald besser geht" oder ein tröstendes "es wird sich ändern, es wird wieder gut".

 

Warum fällt es uns so schwer, mitfühlend und liebevoll mit uns selbst umzugehen?

In unserer Gesellschaft ist Selbstmitgefühl keine anerkannte und erstrebenswerte Tugend. Es wird oft mit Unzulänglichkeit in Verbindung gebracht und mit „Selbstmitleid“ verwechselt, welches zu Handlungsunfähigkeit und Einnahme einer ohnmächtigen „Opferrolle“ führen kann. Außerdem wird es oft als „egoistisch“ bewertet. Wir lernen häufig schon von klein auf, uns auf Verbesserung und Optimierung zu fokussieren und nehmen uns dabei keine Zeit, das Leiden, was wir erleben, als solches anzuerkennen und uns selbst gegenüber fürsorglich und tröstend zu sein. Insbesondere, wenn wir in unseren Primär-Beziehungen in unserer Kindheit Fürsorge, Freundlichkeit und Güte nicht in ausreichendem Maße erfahren haben, wird es uns schwerer fallen, diese Haltungen uns selbst gegenüber einzunehmen.

 

Vom Wert des Selbstmitgefühls

Selbstmitgefühl kann Verluste, Krankheiten oder andere schwierige Umstände nicht aufheben, aber es hilft uns, unnötiges zusätzliches Leiden zu vermindern.

Wenn wir uns schlecht fühlen können wir, statt uns noch mehr unter Druck zu setzen, gütig und freundlich mit uns umgehen. Je mehr wir dies üben, desto mehr überwiegen Liebe und Freude und nicht Schmerz und Leid.

Alle Säugetiere haben ein angeborenes fürsorgliches Antriebssystem. Dies können wir mit dem Wunsch, dass es uns gut geht und wir frei von Leiden sind aktivieren. Anstatt unseren Schmerz zu bekämpfen, zu betäuben oder zu dramatisieren, wenden wir uns ihm liebevoll zu, umsorgen uns und geben uns das, was wir gerade wirklich brauchen. Wenn wir nach wochenlanger erfolgreicher Diät Schokolade essen, weil wir unsere Arbeitsstelle verloren haben, dann brauchen wir nicht mehr Schokolade, sondern Verständnis dafür, wie schwierig die Situation ist, Nachsicht und ermutigende Worte, die uns Kraft geben, um nach einer neuen Arbeit zu suchen. Wie wäre es, wenn wir uns dieselbe fürsorgliche Aufmerksamkeit schenken würden, die wir einem geliebten Menschen entgegenbringen?

Achtsamkeit und Selbstmitgefühl

wenn wir Achtsamkeit lernen und praktizieren (zum Beispiel in einem MBSR Kurs) schaffen wir eine hervorragende Grundlage, uns selber mit mehr Verständnis und Wohlwollen zu begegnen. Dadurch dass wir lernen dass was ist anzunehmen ohne uns in Be- und Verurteilungen zu verstricken entwickeln wir Freiräume und können aus dem Kreislauf der Selbst-Verurteilung aussteigen.

Nach und nach lernen wir unsere eigenen Muster die uns vielleicht zu Selbstoptimierung und Perfektionismus treiben kennen und haben die Chance, diese zu durchbrechen. Und alternative Verhalten und Haltungen zu entwickeln, die hilfreich und uns selber gegenüber liebevoller sind.

Mit Achtsamkeit trainieren wir auch die akzeptierende Annahme unserer Selbst, unserer Gefühle, Gedanken und Verhalten. Uns selbst und  Situationen so (anzu-)erkennen, wie sie sind, ist keine leichte Übung. Gerade mit Gegebenheiten oder Verhalten die wir uns anders wünschen, wie z.B. Schmerzen, Übergewicht oder Suchtverhalten, fällt es oft sehr schwer, diese zu akzeptieren. Wichtig ist hierbei, dass Anerkennen oder Akzeptanz nicht gleichbedeutend mit „gut finden“ sind. Mit Anerkennen ist in diesem Kontext gemeint, festzustellen was ist und dies als Realität zu akzeptieren. Und nicht in einer sowieso schon schwierigen Situation seine Energie mit inneren Widerständen zusätzlich aufzubrauchen. Die Bereitschaft zu akzeptieren, was ist, gibt uns einen klaren Blick ohne Ablenkung, Ausweichen und Kampf. Dieser ist eine gute Grundlage für ein entschlossenes und uns selbst gegenüber liebevolles Handeln.

 


Mit einem MBSR Kurs nach Jon Kabat Zinn kannst Du Achtsamkeit lernen. MBSR steht für Mindfulness Based Stress Reduction. In einem MBSR Kurs lernst Du, Achtsamkeit zu entwickeln und in Deinen Alltag zu integrieren.